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13.01.2021

Wirtschaftsreport der IHK Siegen

Ingenieurbüro Walz – Problemlöser auf vielen Ebenen

Im Sommer 2013 kam es in Warstein mit 159 schwer verlaufenden Erkrankungen und zwei Todesfällen zum bislang deutschlandweit größten Legionellose-Ausbruch. Als mögliche Quelle identifizierte man unter anderem ein Rückkühlwerk, umgangssprachlich auch als Kühlturm bezeichnet. Es zeigte sich, dass bei solchen Anlagen die Empfehlungen für einen hygienisch sicheren Betrieb oft nur unzureichend umgesetzt wurden. Konsequenz: die Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider gemäß der 42. Bundesimmissionsschutzverordnung (42. BImSchV), die 2017 in Kraft trat – und die Experten wie Pascal Walz auf den Plan rief.

Der 35-jährige gebürtige Stuttgarter hat erst kürzlich seine Büroräume im Siegener Stadtteil Kaan-Marienborn bezogen. 2012 kam der Umweltschutz- und Sicherheitsingenieur der Liebe wegen ins Siegerland. Anfang 2019 wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Er bietet mit seinem Ingenieurbüro Dienstleistungen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Umweltschutz für kleine und große Unternehmen aus der Industrie. Walz ist ein von der IHK Siegen öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Prüfung von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern gemäß § 14 der 42. BImSchV. Dieses Regelwerk wird umgangssprachlich auch „Legionellenverordnung“ genannt und erlegt den Anlagenbetreibern eine Reihe von Pflichten auf, die die Bevölkerung schützen sollen. Die Betreiber müssen ihre Anlagen regelmäßig warten, für die Instandhaltung sorgen und von einem Labor entsprechende Proben nehmen lassen. Alle fünf Jahre überprüfen Sachverständige wie Pascal Walz den ordnungsgemäßen Ablauf vor Ort. Nur rund 65 solcher Experten gibt es derzeit im Bundesgebiet.

Das Wirkprinzip der Anlagen ist immer ähnlich: Wasser fließt hindurch, wird über Düsen verteilt – ein Teil des Wassers verdunstet, und dadurch wird das restliche Wasser abgekühlt. Das Wasser fließt von oben nach unten. Gleichzeitig gibt es einen gegenläufigen Luftstrom. Das Problem besteht darin, dass mit den Tröpfchen, die mit diesem Luftstrom aus der Anlage hinausgeblasen werden können, eben auch Legionellen potenziell mehrere Kilometer weit verteilt und dann eingeatmet werden, wenn sie sich denn in der Anlage befinden. Eine Überprüfung durch den Sachverständigen besteht zum einen aus einer technischen Begutachtung: Funktioniert die Anlage? Gibt es Auffälligkeiten wie zum Beispiel Totleitungen (Stagnationszonen), in denen sich im stehenden Wasser Mikroorganismen vermehren könnten? Da sich die Anlagen häufig auf Dächern befinden und von oben schlecht einsehbar sind, kommt teilweise eine Kameradrohne für die Überprüfung zum Einsatz. Zum anderen gilt es, das Betriebstagebuch zu überprüfen. Darin werden die selbst durchgeführten Kontrollen genauso wie Laboruntersuchungen festgehalten. Die Anlagen sind außerdem online in einem speziellen Kataster durch die Anlagenbetreiber zu registrieren. Die Berichte werden später mit einer qualifizierten elektronischen Signatur digital verschickt und archiviert. „So gelingt es mir, ein nahezu papierfreies Büro zu führen“, erklärt Walz.

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